6. November 2026

Carlsen macht Tempo, die WM bringt Hochspannung – und Turm feiert 100 Jahre

KI-generierte barocke Karikatur von Magnus Carlsen, Gukesh und Javokhir Sindarov mit den Total-Chess-Bedenkzeiten 45+30, 15+10 und 3+2.
KI-generierte Illustration zu Total Chess und der klassischen WM 2026.

Carlsen vor drei goldenen Uhren, zwei junge Rivalen vor einer Krone – und wir vor unserem Jubiläumswochenende: Dieser November hat ziemlich viel Schach vor. In Budapest beginnt ein Experiment mit drei Bedenkzeiten. Kurz darauf verteidigt Gukesh in Genf seinen Weltmeistertitel gegen Javokhir Sindarov. Und dazwischen rücken bei uns in Hohenlimburg die Bretter für zwei Turniere zum 100-jährigen Vereinsbestehen zusammen.

Mich reizt daran besonders eine Frage: Wie viel von unserem Schach bleibt übrig, wenn wir dieselbe Stellung plötzlich mit einer ganz anderen Uhr spielen? Der schöne Plan ist noch da. Aber haben wir auch die Zeit, ihn zu finden?

Carlsens November beginnt mit drei verschiedenen Uhren

Vom 10. bis 20. November 2026 wird in Budapest das Pilotturnier der Total Chess World Championship Tour gespielt. Die von Norway Chess entwickelte und von der FIDE anerkannte Idee: Spitzenkönnen soll sich über mehrere Tempi beweisen. Die vollständige Tour folgt 2027. Für den Auftakt sind 24 Spielerinnen und Spieler bestätigt, darunter Magnus Carlsen und Vincent Keymer. Die aktuelle Besetzung findet ihr auf der offiziellen Teilnehmerseite.

Magnus Carlsen beim Rapid-und-Blitz-Turnier in Zagreb 2025.
Magnus Carlsen beim Rapid-&-Blitz-Turnier in Zagreb 2025. Foto: Miroslav.vajdic, Wikimedia Commons, CC BY 4.0. Für die Webdarstellung verkleinert, nicht beschnitten.

Die Zahlen auf den Uhren sind schnell erklärt: Die erste nennt die Minuten zu Beginn, die zweite den Sekundenbonus pro Zug. In Budapest sieht das so aus:

DisziplinBedenkzeit pro Person
Fast Classic45 Minuten + 30 Sekunden je Zug
Rapid15 Minuten + 10 Sekunden je Zug
Blitz3 Minuten + 2 Sekunden je Zug

Nach einem Auftaktblitz folgen vier Sechsergruppen mit zehn Fast-Classic-Partien pro Person. In der Gruppenphase zählen Siege drei Punkte und Remisen einen. Anschließend führen die Platzierungen in K.-o.-Wettbewerbe, in denen alle drei Disziplinen zusammenkommen. Format und Zeiten stehen im offiziellen Spielplan.

Ein Springeropfer, drei völlig verschiedene Entscheidungen

Stellt euch vor, ihr könnt einen Springer gegen zwei Bauern opfern und den gegnerischen König ins Freie treiben. Mit 45 Minuten auf der Uhr beginnt die Arbeit: Welche Verteidigung hat der Gegner? Was passiert nach einem Damentausch? Reicht der Angriff auch dann, wenn der erste Trick nicht funktioniert?

Bei 15 Minuten wird die Auswahl härter. Ihr könnt rechnen, aber nicht jede Abzweigung bis zum nächsten Vereinsjubiläum untersuchen. Und im Blitz muss oft ein schneller Blick entscheiden, ob die Stellung vertraut genug ist, um sich auf das Abenteuer einzulassen.

Genau deshalb möchte ich in Budapest auf Keymer achten: Wie verändert ein Spieler seine Entscheidungen zwischen den Disziplinen? Welche Risiken nimmt er in Kauf? Und wer findet nach einer missglückten Partie schnell genug zurück? Die Übertragung bekommt übrigens ein eigenes Highlight-Format mit Levy Rozman; zum Kommentatorenteam gehören unter anderem David Howell und Jovanka Houska. Das hat der Veranstalter am 3. November angekündigt.

In Genf wartet die klassische Krone

Während Carlsen in Budapest mehrere Tempi verbindet, steht in Genf ein anderes Duell bevor: Weltmeister Gukesh Dommaraju gegen Herausforderer Javokhir Sindarov. Hier geht es um den klassischen Weltmeistertitel. Die beiden Veranstaltungen haben ihren eigenen Wettbewerb und ihre eigene Geschichte.

Gukesh und Arjun Erigaisi am Schachbrett beim Tata Steel Chess Tournament im Januar 2026.
Gukesh im Duell mit Arjun Erigaisi beim Tata Steel Chess Tournament im Januar 2026. Foto: Vysotsky (Wikimedia), Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Für die Webdarstellung verkleinert, nicht beschnitten.
Javokhir Sindarov am Schachbrett bei der Schacholympiade im September 2026.
Javokhir Sindarov bei der Schacholympiade im September 2026. Foto: TheBoburshokh, Wikimedia Commons, CC BY 4.0. Für die Webdarstellung verkleinert, nicht beschnitten.

Die Eröffnung der WM ist am 22. November, die erste Partie am Dienstag, 24. November, um 15 Uhr unserer Zeit. Angesetzt sind bis zu 14 klassische Partien; ein gegebenenfalls nötiger Stichkampf ist für den 12. Dezember vorgesehen. Maßgeblich ist der aktuelle offizielle WM-Spielplan.

Für mich steckt die Spannung eines solchen Matches auch in den kleinen Veränderungen. Welcher Spieler wiederholt eine Eröffnung? Wer weicht als Erster ab? Wird aus einem unscheinbaren Bauernzug eine Einladung zum Angriff? Wer zuschaut, kann sich eine einfache Aufgabe stellen: Vor jedem kritischen Zug zwei eigene Kandidaten suchen. Hinterher weiß man nicht nur, dass die Großmeister besser rechnen. Man sieht auch genauer, an welcher Stelle der eigene Blick zu früh abgebogen ist.

Und dann sind unsere Bretter dran

Der Übergang könnte für uns kaum schöner liegen: Am Tag nach dem Ende des Budapester Piloten beginnt unser Hohenlimburger Jubiläums-Cup am 21. November. Drei klassische Partien an einem Tag, in möglichst gleichstarken Vierergruppen. Am 22. November folgt unser Jubiläums-Rapid mit sieben Runden bei 10+5.

Das ist eine Gelegenheit, die Tempofrage selbst auszuprobieren. Was gelingt euch in einer längeren Partie besser? Wo hilft im Rapid das Vertrauen in bekannte Muster? Und wann kostet der dritte Kontrollblick auf einen längst geprüften Zug mehr, als er bringt? Wer beide Tage spielt, hat anschließend vermutlich mehr dazu zu erzählen als nach zehn Videos über Zeitmanagement.

Die Ausschreibungen enthalten die Einzelheiten und die Anmeldung. Beachtet bitte auch den Hinweis dort: Ein Startplatz ist erst nach Überweisung des Startgeldes sicher.

Eine kleine Vorbereitung: dieselbe Stellung, eine andere Uhr

Nehmt für die nächste Trainingsrunde eine interessante Stellung aus einer eigenen Partie. Spielt sie einmal mit 15+10 und anschließend mit vertauschten Farben bei 3+2. Notiert danach nur drei Dinge: den wichtigsten übersehenen Zug, den größten Zeitverbrauch und einen Moment, in dem ihr eurem ersten vernünftigen Gedanken hättet vertrauen können.

Für unser Jubiläums-Rapid lohnt sich außerdem eine vollständige Trainingspartie bei 10+5. Wie der Bonus funktioniert und worauf ihr achten könnt, haben wir im Beitrag „Fünf Sekunden, die alles verändern“ ausführlicher beschrieben.

Für zu Hause: die Uhr aus unserem Zeitbonus-Artikel

Wer dafür eine einfache Uhr mit Bonusfunktion sucht: Die DGT1002 Bonus Timer aus unserem letzten Artikel ist eine mögliche Option. Laut Hersteller DGT bietet sie eine einzelne Zeitphase und einen einstellbaren festen Bonus. Das passt zu eigenen Partien mit Grundbedenkzeit und Inkrement.

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Am Ende interessiert mich vor allem, welche Geschichten wir aus diesem November mitnehmen: ein mutiges Opfer aus Budapest, eine überraschende WM-Idee aus Genf oder eine eigene Partie beim Jubiläum, in der plötzlich alles zusammenpasst. Zuschauen macht Spaß. Aber den nächsten Zug dürfen wir auch selbst machen.

Stand: 6. November 2026. Spielpläne können sich ändern; die verlinkten Veranstalterseiten führen die aktuellen Angaben. Beitragsbild: mit KI erzeugte barocke Karikatur zu Total Chess und der klassischen WM 2026. Die fotografischen Aufnahmen im Text stammen aus den jeweils genannten früheren Veranstaltungen.