Verbandsklasse 25/26, Runde 6: Legendäres Match unter den Tabellenführern

Es galt am vergangenen Sonntag den 15.02.26 noch das verschobene Sechstrundenspiel gegen die Tabellenführer aus Plettenberg nachzuholen. Dies war für unsere beiden Teams der Wichtigste der verbleibenden Spieltage, in welchem die Plettenberger durch einen Sieg bereits die Vorentscheidung um den Aufstieg herbeiführen konnten (ein Mannschaftsremis würde sie ebenfalls in bester Aufstiegslage verweilen lassen). Dies spiegelte sich auch in den Aufstellungen der beiden Teams wieder. Wir traten bis auf den krankheitsbedingt ausgefallenen Johannes – gute Besserung! – in Bestbestzung an. Peter Z. erklärte sich bereit uns für diese wichtige Begegnung zu ergänzen. Auch die Plettenberger brachten alle verfügbaren Kräfte an die Bretter, so spielte zum Beispiel Julian Selter an Brett 2, der bis dato noch keinen Einsatz in der Saison hatte.

Brett 1: Jiehou Nhan – Gregor Kotainy
Brett 2: Felix Gieseler – Julian Selter
Brett 3: Jinhon Nhan – Niko Salewski
Brett 4: Marc Ploeger – Gerd Rippin
Brett 5: Manfred Nölke – Alica Hövelmann
Brett 6: Kai Alberts – Michael Eichler
Brett 7: Dennis Wackert – Max Plotnikov
Brett 8: Peter Zocher – Ali Dursun

Vorischtiger Beginn in den meisten Partien

Trotz Heimvorteil waren zu Beginn neben 8 Plettenbergern (+ 2 Mann Unterstützung) nur 5 Hohenlimburger an den Brettern. Doch kurz nach 14Uhr trudelten erst Peter mit Niko und dann Gregor ein, sodass wir beruhigt aufatmen konnten. Wir fanden vermehrt gut in die Partien hinein doch in der Anfangsphase zeichneten sich keine bedeutsamen Vorteile ab. Es schien, als ob niemand zu großes Risiko gehen wollte.

3 Bretter steuerten nun in eine bedenkliche Richtung: Alica und Felix fingen an viel Zeit zu verbrauchen und Max übersah ein Taktik. Der weiße Turm kam auf die fünfte Reihe und spießte Dame und Läufer auf! Max hatte keine Wahl und musste seine Dame für Turm und Springer aufgeben.

Unterdessen hatten Gregor, Felix und Kai recht ausgeglichene Stellungen, während sich Niko eine strategisch schöne Position aufzubauen begann und Marc in einem Endspiel mit gleichem Material die aktiveren Figuren behielt. Peter setzte seinen Gegner bereits stark unter Druck und gab eindeutig den Ton an. Alicas Gegner akzeptierte mehr und mehr Schwächen in seiner Stellung sowie eine latente Unterentwicklung um den Königsflügel von Alica anzugreifen. Dabei erwiederte er jedoch die mittlerweile arge Zeitnot Alicas. Diese Partie würde wahrscheinlich noch vor dem 40-sten Zug eine Explosion erleben.

Max und Kai legen vor

Max' Partie

Max Partie entwickelte sich nun am schnellsten. Er behielt Nerven aus Sahlsteilen nach seinem Fehler und erhielt durch sehr genaues Spiel das Läuferpaar sowie einen sehr wichtigen Bauern, was das Material (Dame vs. Turm+Läufer+Bauer) in der klassischen Rechnung also ausglich. Seine Stellung wies keinerlei Schwächen auf und er war es der Drohungen aufstellte. Max überspielte seinen Gegner nach allen Regeln der Kunst! Er erbeutete einen weiteren Bauern und die Bewertung der Stellung drohte aus dem Gleichgewicht zu seinen Gunsten zu kippen. Einzig ein Läuferopfer mit anschließendem Dauerschach konnte Weiß noch retten. Doch der Weißspieler übersah diese Chance oder hielt gedanklich noch an seinem, mittlerweile verstrichenem Vorteil fest. So knüpfte Max ein Mattnetz und lehnte sogar einen Abtausch von Läufer und Turm für die weiße Dame ab um nicht in einem ungleichfarbigen Läuferendspiel mit 2 Mehrbauern zu enden! In aller Ruhe demonstrierte er den unaufhaltbaren Gewinnplan:

Durch diese wahrlich meisterhaft geführte Partie erhielten wir einen ganz ganz wichtigen Auftaktpunkt zur 1-0 Führung. Die frühe Führung war natürlich nichts worauf wir uns ausruhen konnten. Die Ansage an die Mannschaft im Vorhinein durch unseren Mannschaftsführer Marc war eindeutig. Wir mussten gewinnen und das am besten auch noch hoch, da wir vor Antritt des Spieltages 2 Mannschafts- und einen Brettpunkt zurück lagen. Weiter ging es am Nachbarbrett 6 bei Kai.

Kais Partie

Kais Gegner wollte unbedingt Kais schönen weißfeldrigen Läufer tauschen. Dafür wurden einige Tempi investiert, doch als das Etappenziel des schwarzen Spiels erreicht wurde wurden die Bauern am Damenflügel zunehmend schwach. Kai machte sich auf diese Schwächen zu massieren. Sein Gegner hatte andere Pläne für die Stellung… Normalerweise ist es Kai der dem Spiel mit seiner gewohnt taktischen, opferfreudigen aber eben auch riskanten Spielweise den Stempel aufdrückt. Doch diesmal bot sein Gegner ihm am Damenflügel eine ganze Leichtfigur an um am Königsflügel mit Dame und Turm einzudringen. Kais Liebe zum Chaos wurde hier jedoch von seiner Vernunft unterdrückt und Kai lehnte ab. Kurz später forcierte Schwarz jedoch dieselbe Idee, allerdings in einer schlechteren Variante. Kais König entkam schnell den Schachs und zur Mehrfigur gesellte sich bald noch ein Bauer. Als dann auch noch Türme getauscht wurden erlangte unser Spieler seinen verdienten Sieg.

Die Uhr als entscheidender Faktor bei Alica und Marc

Ein 2-0 Start also durch Bretter 6 und 7. Im Mannschaftsführer Duell an Brett 4 melkte Marc merkbar müßig einen Aktivitätsvorteil im früh entstandenen Endspiel. Doch mit reduziertem Material war es schwierig aus der Stellung etwas handfestes herauszupressen. Zu diesem Zeitpunkt standen wir andererseits auch an keinem Brett wirklich im Nachteil und die Führung reduzierte den Druck auf die verbleibenden Bretter.

Marcs Partie

Zum Voranschreiten in der Stellung befand es Marc für notwendig ein Paar Läufer abzutauschen, sodass beiden Seiten ein Turm, ein Läufer und ein Springer blieb. Ein netter Zeitvorteil begleitete ihn dabei. In der folgenden Sequenz gelang es unserem Mannschaftsführer mit gegnerischen Figuren auf die Grundreihe zu verbannen, doch der spielentscheidende Durchbruch blieb weiter aus. Ein weiteres Figurenpaar wurde getauscht und tatsächlich war Schwarz gerade dabei die verbleibenden Probleme in der Stellung zu lösen, als plötzlich die Uhr zuschlug! Im 40-sten Zug, den Springer schon in der Hand lief in einer wahrlich dramatischen Szene eine Sekunde zu früh die Zeit ab. 3-0.

Auch an Brett 5 spielte die Uhr eine entscheidende Rolle. Alicas Zeitnot spitzte sich Richtung Zug 40 erwartungsgemäß weiter zu, aber genauso erging es ihrem Gegner. Fehlgriffe wurden damit wahrscheinlicher, doch in welchem Zustand der Stellung würde die Bonuszeit erreicht werden?

Alicas Partie

Die offenen Linie an Alicas Königsstellung stellte sich als wenig problematisch heraus, da Weiß schlicht die Schwerfiguren fehlten, welche sich nie aus dem Damenflügel heraus entwickelt hatten. Als die Stellung zufriedenstellend stabilisiert war, setzte Alica mustergültig das um was wie ein Damoklesschwert über der gegnerischen Stellung schwebte: Sie öffnete das Zentrum und der weiße Monarch rannte. Alicas Türme infiltrierten die Stellung und auch ihr Läuferpaar strahlte übers Brett, doch irgendwie hielt ihr Gegner die Stellung praktisch gesehen am Leben. Ein paar Minuten Bedenkzeit wären hier sicher goldwert gewesen, doch im 31-sten Zug schienen die noch in weiter Ferne. Weiß opferte eher verzweifelt einen Bauern und ein zweiter drohte bald das Brett zu verlassen, doch Alica tauschte in der falschen Reihenfolge und eine Fesselung gewann nun den schwarzen Läufer. Jedoch standen zeitlich bedingt beide Seiten unter massivem Druck und bereits 2 Züge später erwiederte Weiß nicht nur den Figurenverlust sondern stellte aufgrund eines fiesen Matts welches Alica insgeheim vorbereitet hatte einen ganzen Turm ein.

Gregor und Peter erhöhen weiter

Damit erhöhte Alica zum sagenhaften 4-0. Langsam dämmerte uns, dass uns der Mannschaftssieg nicht mehr zu nehmen sein würde und mit Blick auf die restlichen Bretter könnte es ein recht hoher werden. Gregors bisherige 2 Partien der Saison waren sehr souveräne Siege, doch die Nr. 1 der Plettenberger erwies sich als besonders zäh und gelangte in ein ausgeglichenes Turm und Springerendspiel. Dieses wies jedoch genug Ungleichheiten auf um Gewinnpotential zu behalten.

Gregors Partie

Gregor hielt den weißen Freibauern in der d-Linie in Schach, doch machte keine Anstalten diesen vom Brett zu entfernen als es möglich war. Stattdessen breitete er sich auf dem Königsflügel aus und erlangte im dortigen 3 vs. 2 eine wundervolle Stellung. Bei ausgeglichenem Material griff Gregor den gegnerischen Springer an und ließ dabei einen Bauern mit Schach hängen. Dieser wurde alsbald entfernt doch dies war Teil von Gregors giftigem Plan. Nun marschierte der schwarze König in die Stellung und Weiß wurde klar, dass Gregor ein Mattnetz um den gegnerischen König geschlossen hatte.

Mit Gregors Erhöhung auf 5-0 waren die wichtigen 2 Mannschaftspunkte entgültig gesichert und trotz dieses märchenhaften Verlaufs waren wir noch nicht am Ende… Peter und Niko waren schon lange am Drücker und Felix kämpfte sich noch durch ein schwieriges Mittelspiel.

Peters Partie

Peter hatte einen brillianten Start in diese Weißpartie an Brett 8 und konnte im Mittelspiel eine Qualität und einen Mehrbauern erbeuten. Dies hört sich nach einem ganz klaren Fall an, doch Peters Gegner hatte sich mittlerweile verschanzt und hoffte noch auf ein Wunder. Kurzerhand gab Peter die Qualität und etwas später auch den Mehrbauer zurück um mit eiskalter Coolness in ein korrekt als gewonnen bewertetes Endspiel überzugehen. König und Läufer escortierten den weißen c-Bauern unaufhaltsam Richtung Dame, welche auch auf dem Brett platziert wurde. Peters junger Gegner verpasste potentiell den richtigen Zeitpunkt um aufzugeben doch es wurde dann noch schnell bis zum Matt gespielt welches Peter am Ende mit einem brandneuen Turm (ebenfalls durch Umwandlung) vollstreckte.

Niko und Felix machen den Deckel drauf

An diesem Tag schien alles möglich zu sein, es verblieben nur noch 2 Partien im Endspiel, wobei die Angelengenheit bei Niko zunehmend klar wurde. Zu diesem Zeitpunkt schien ein 7,5-0,5 Knockout zumindest nicht mehr unrealistisch.

Nikos Partie

Niko hatte früh die weiße Stellung infiltriert und mit Bauerngewinn die Damen getauscht. Sein Gegner setzte seine Verteidigungshoffnungen lange Zeit auf den starken Springer den er auf c6 installiert hatte und der die schwarzen Türme blockierte. Doch nachdem Niko in Seelen Ruhe alle anderen Drohungen pariierte knackte er auch den Vorposten des Springers auf wonach die restlichen schwarzen Figuren in die Stellung strömten. Ein zweiter Bauerngewinn folgte, bevor Niko im Turmendspiel durch drohenden weiteren Bauerngewinn die Hand überreicht bekam.

Beim Stand von 7-0 wollte Felix natürlich seine Partie auch noch zum Sieg führen. Nach gegnerischem Druck anfangs des Mittelspiels konnte er Spiel gegen die schwarze Dame erzeugen, da dieser fast die Felder ausgingen.

Felix' Partie

Sein Gegner opferte einen Bauern um Linien zu öffnen, doch nach dem Damentausch waren die weißen Figuren zusammen mit dem Freibauern in der b-Linie kurz vor dem Durchbruch. In der Zeitnotphase gelang es Felix allerdings nicht den Deckel drauf zu machen und den Mehrbauern als auch einen zwischenzeitlichen Qualitätsgewinn musste er wieder zurückgeben. In einer taktischen Sequenz liefen für beide Seiten Bauern zur Dame durch, doch Felix konnte dadurch in ein Damenendspiel mit 2 Mehrbauern überleiten. Ein kompliziertes Endspiel welches praktisch gesehen jedoch noch deutlich schwieriger zu verteidigen war. Letztlich gelang der Damentausch und ein gewonnenes Bauernendspiel besiegelte den Spieltag endgültig.

Egal welche Opferrituale zuvor von einem von uns ausgeführt wurden, Caissa hatte anscheinend Gefallen daran gefunden. An diesem Tag gelang einfach alles und wir übernehmen mit diesem wahnsinnigen 8-0 – ohne kampflose Punkte! – die Tabellenführung. Allerdings sind wir „nur“ gleichauf mit Plettenberg was die Mannschaftspunkte angeht. Der Tiebreak durch Brettpunkte wird nun immer unser Freund sein, aber die letzten beiden Aufgaben gegen Hemer 2 und die Ruhrspringer müssen erst noch bewältigt werden. Nun liegt es in unserer Hand den Aufstieg nach Hause zu bringen.

Weiter geht es am 01.03 Zuhause gegen Hemer 2.

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